Holger Biege, geb. am 19. Sept. 1952, in Greifswald, gehört zu jenen Künstlern, die es bereits frühzeitig verstanden, grenzüberschreitend in ihrem Metier zu wirken. Dem Komponisten, Sänger, Pianisten und Texter gelingt es seit den 70-er Jahren, das seltene Zusammenspiel von eigenwilliger, ausgeprägter musikalischer Sprache und breiter Publikumsresonanz. Seine ersten Alben, "Wenn der Abend kommt" und  "Circulus" (1978 / 79) erreichten in der DDR ungeahnte Auflagen und waren, bedingt durch Limitierung, dennoch Raritäten in den Schallplattengeschäften. Ihre Veröffentlichung verband Biege mit umfangreichen Konzert-Tourneen, die er - ausgenommen das Jahr 1980 - solo am Piano absolvierte. So kamen in dieser Zeit über 200 Konzerte zusammen. Diese minimale Form der Darbietung erwies sich als interessante Alternative zu seinen Studioproduktionen. 1981 erschien Bieges letzte Single in der DDR "Sonnenmeer",
als zugleich instrumental aufwendigste Produktion des Künstlers. 1983 übersiedelte Biege mit seiner Familie in die Bundesrepublik, nach Hamburg. Sein drittes Album "Das eigene Gesicht" erschien 1984. Nach der Maueröffnung kam es immer wieder zu gefeierten Konzert-Tourneen in der ehemaligen DDR. 1994 veröffentlichte Biege sein legendäres Album "Leiser als laut" und 1997 "Zugvögel".  Obwohl Bieges Musik genrespezifisch ausgerichtet ist, entzieht sie sich der "Ablage in Schubläden". Fernab gern benutzter Wege fand dieser Künstler seinen Weg, in der kompositorischen und textlichen, wie auch in der interpretorischen Arbeit als Sänger und Pianist. Diese Kunst wurzelt in einem tiefen menschlichen Selbstverständnis und vermag ein solches in uns zu wecken. Biege sagte: "Mit meiner Arbeit versuche ich die Dinge von innen nach aussen zu kehren. Eine vordergründig akademische Herangehensweise scheint mir dabei wenig hilfreich. So kam Einsicht in handwerkliche Zweckmässigkeiten, meist schrittweise - folgend der entsprechenden Notwendigkeit. Trotz und kindliche Unbefangenheit sitzen eben tief. Ist dir etwas geblieben von dieser "Ursubstanz" deines Bewusstseins, hast du den Boden, auf dem die Dinge wachsen und findest du Zugang zu dir selbst, kannst du ernten."
Holger Biege starb im April 2018, nach langer Krankheit.

 

 

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